„Out of touch“: Kinderbuchautoren beschreiben die zunehmende Zensur von Büchern zum Thema Diversität

Die Angst vor ungeliebten Gegenreaktionen bedeutet, dass Geschichten über Rasse, Sexualität oder Neurodiversität für junge Leser zunehmend als unangemessen erachtet werden.

Kinderautoren und -darsteller sagen, dass zunehmende Zensur, institutionelle Schüchternheit und Online-Gegenreaktionen dazu führen, dass Geschichten über Vielfalt, Sexualität und sogar zeitgenössische Weltereignisse für jüngere Leser als unangemessen erachtet werden.

Als der gefeierte schwule Autor Simon James Green im vergangenen Monat von der katholischen Kirche in Südengland von Schulbesuchen ausgeschlossen wurde, machte dies auf einen Trend aufmerksam, von dem viele glauben, dass er die eskalierende Zensur des Lesens von Kindern nicht nur in den USA widerspiegelt.

So war Savita Kalhan dazu eingeladen, vor kurzem eine Schulveranstaltung mit einer Gruppe von Teenagern zum Welttag des Buches abzuhalten. Sie plante, Themen wie Respekt und Zustimmung anzusprechen, die in ihren Romanen für junge Erwachsene auftauchen. Doch die Veranstaltung wurde abgesagt, weil die stellvertretende Leiterin ihre Arbeit als „unangemessen“ erachtete.

So musste sich das gefeierte gefeiertes Handbuch zur Sexualität für junge Menschen “This Book is Gay” von Juno Dawson (Autorin und ehemalige Lehrerin) gegen Streichungsersuchen in den USA erwehren. Dass es hier einen „Stimmungswandel“ gibt ist nicht mehr zu übersehen.

Bücher für junge Erwachsene, die Diversität, Sexualität und sogar aktuelle Weltereignisse behandeln, gelten jetzt als ungeeignet für jugendliche Leser. Das findet auch ganz ohne Beachtung der Tatsachen statt, was Teenager tatsächlich lesen oder sehen möchten.

Es gibt einen besorgniserregenden Trend der Zensur von LGBTQ+-Autoren (L lesbian G gay B bisexual T transgender Q queer + pan/omni) und -Büchern als Folge der stärker polarisierten Welt, in der wir leben.

Jodie Lancet-Grant ist eine preisgekrönte Verlagsfachfrau und Kinderbuchautorin. Sie war bewegt, für Kinder zu schreiben, nachdem sie nach Bilderbüchern mit LGBT+-Familien gesucht hatte, um ihren Zwillingstöchtern vorzulesen, weil sie sehen wollte, wie ihre Familie zu ihnen zurückgespiegelt wurde. Ihr erstes Bilderbuch für 3- bis 7-Jährige, The Pirate Mums – ein verwegenes Abenteuer über einen Jungen namens Billy, der zufälligerweise zwei Mütter hat – bekam Anfang dieses Jahres einige Trollbeiträge. „Die Vorstellung, dass irgendjemand denken würde, diese Geschichte sei nicht für Kinder geeignet, ist unglaublich. Es ist nur ein anderer familiärer Umstand, aber es ist unglaublich wichtig, dass Kinder das repräsentiert sehen.“ so die Autorin.

So gibt es in Summe ein starkes Wiederaufleben der längst überholten Idee, dass andersartige Menschen nicht in der Nähe von Kindern sein sollten. Und obwohl es natürlich auch Nachfrage von Kindern und Familien nach Arbeiten gibt, die Unterschiede des menschlichen Leben behandeln, vermeiden Veranstaltungsorte und Organisationen Risiken in diese Richtung einzugehen, weil sie Gegenreaktionen eines kleinen aber sehr lauen Haufen ewig Gestriger befürchten.

Das gute an Büchern ist, dass jeder zu jedem Thema etwas schreiben kann und der Leser selbst entscheiden kann und muss, ob er diesen Buch lesen möchte. Schade wäre es nur, dass die wirklich guten Bücher durch eine Art konfliktvermeidende Selbstzensur der Zugang zu einer breiten Leserschaft verwehrt wird.

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